Zu den Gemeinplätzen wissenschaftlichen wie populären Nachdenkens über den Menschen gehört, dass es die Sprache ist, die den Menschen in besonderer Weise gegenüber allen anderen Lebewesen auszeichnet. Die naheliegende Folgerung, dass Sprachwissenschaft deshalb immer auch eine Wissenschaft vom Menschen ist, wird dennoch eher selten gezogen. Zumindest nicht in expliziter Form. Andererseits ist es praktisch nicht möglich, sprachtheoretische Überlegungen zum ‘Wesen’ der Sprache oder zu den zentralen Aufgaben und Fragestellungen der Linguistik anzustellen, ohne zumindest implizit auch ein Bild des Menschen selbst zu entwerfen. Der Vortrag versucht – mit dem Fokus auf die Fachgeschichte der letzten 50 Jahre – der mit Stichworten wie Funktion, Kontext, Praxis, Alterität, Dialogizität verbundenen Neukonturierung unserer Vorstellungen von ‘Sprache und ihren Menschen’ nachzugehen. Im Horizont der Überlegungen steht zudem die Frage, ob angesichts dieser Neukonturierung neue Perspektiven auf ‘alte‘ Konzeptualisierungen vom Menschen wie von Sprache möglich sind.